Aktivurlaub in Brasilien

Als ich mit der Urlaubsplanung für Brasilien begann, wurde mir bewusst, wie riesig dieses Land ist: 24mal so groß, wie Deutschland! Wir hatten nur drei Wochen Urlaubszeit zur Verfügung. Somit war mir klar, dass die Besichtigung der berühmtesten Sehenswürdigkeiten dieses Landes nicht machbar sein wird. Ein weiterer Aspekt der Planung war, einen Aktivurlaub zu gestalten. Letztendlich wurde es ein Mix zwischen bekannten und weniger bekannten Sehenswürdigkeiten in den Bundesstaaten Mato Grosso del Sul (Mittlerer Westen) und Mina Gerais (Südosten). Alle besuchten Orte bereiteten uns große Freude und sind eine Empfehlung für diejenigen, die beabsichtigen, in Brasilien ihren Urlaub zu verbringen. Mit dabei waren meine Lebensgefährtin Dagmar Götz und Renate und Egon Kirschner, Freunde, mit denen wir ansonsten Kletterurlaube machen.

Berühmte Sehenswürdigkeiten

Wir begannen den Urlaub in Rio de Janeiro, wo wir im bekannten Stadtviertel Copacabana übernachteten. Die Copacabana ein riesiger Strand, wo an Wochenenden tausende von Menschen ihre Freizeit verbringen. Als erstes besuchten wir die Jesusstatue, genannt „Cristo Retendor“. 1931 wurde die 38 Meter hohe Statue, anlässlich der hundertjährigen Unabhängigkeit Brasiliens, fertiggestellt. Sowohl die Statue, mit einer Spannweite der Arme von 28 Metern, als auch der Blick auf die 13,3 Millionen Metropole, beeindruckte uns sehr. Ein mystischer Ort, wir stehen einfach still. Alle Menschen lachen, fotografieren, eine Messe wird am Fuße der Statue abgehalten. Unter uns liegt Rio, nicht flach wie ein Teller, sondern kriechend auf den umliegenden Hängen. Von hier aus war auch der „Zuckerhut“, ein fast 400 Meter hoher, steiler und charakteristischer Fels und die Seilbahn, die hinauffährt, zu sehen. Wir brachten in Erfahrung, dass man auf diesen Felsen klettern kann. Diese Gelegenheit wollten wir uns nicht entgehen lassen. Im Nachmittag tagschatten, geht es bergauf über steile und weniger steile Passagen. Unter uns wird Rio immer kleiner. In ca. vier Stunden kletterten wir – in Begleitung eines Bergführers – die steilen Wände hoch. Bei den anspruchsvollen Kletterpassagen sicherten wir uns mit dem Kletterseil ab. Beim Aufstieg genossen wir den Blick auf die Meeresbuchten. Vom Gipfel des Zuckerhuts hatten wir eine atemberaubende Aussicht auf das Lichtermeer der Stadt. Wir waren beglückt den Gipfel „per pedes“ erreicht zu haben. Rio hat noch viel mehr zu bieten: zum Beispiel die weltberühmte Mosaiktreppe „Selaron“. Der Künstler Jorg Selaron sammelte über Jahre hinweg Kacheln aus aller Welt. Er bestückte die Treppe vor seiner Wohnung, um diese zu verschönern. Die 215 Stufen sind heute mit über 2000 bunten Kacheln verkleidet. Von den vielen Museen, die es in Rio gibt, besuchten wir das Wirtschaftsmuseum, dessen Gebäude in einer modernen Architektur strahlt. Das „Museum der Zukunft“, das 2015 eröffnet wurde, verbindet Wissenschaft mit innovativem Design, um nachhaltige Städte und eine ökologische Welt in den Mittelpunkt zu stellen. Die Abholzung des Regenwaldes ist hier auch thematisiert – das Ausmaß ist erschreckend! Des Weiteren waren wir in Rio von dem Botanischen Garten beeindruckt, insbesondere von der Palmenallee und der „Victoria Riesenseerose“.
Unsere nächste Station war der Nationalpark und UNESCO Weltkulturerbe „Iguazú Wasserfälle“, eines der „Sieben Weltwunder der Natur“. Mit dem Flugzeug flogen wir von Rio de Janeiro nach Foz de Iguazú. Von dort aus besuchten wir an einem Tag die brasilianische Seite und am anderen Tag die argentinische Seite der Wasserfälle. Sie bestehen aus 20 größeren, sowie 255 kleineren Wasserfällen auf einer Ausdehnung/Breite von 2,7 Kilometern. Sie sind der größte Wasserfall der Welt! An einigen Stellen fällt das Wasser bis zu 82 Meter in die Tiefe, meistenteils aber bis zu 64 Meter. Auf der argentinischen Seite geht es erstmal über viele, lange Stege die über das Wasser des Iguazu Flusses führen. Von weitem sieht man die Gischt über der „Teufelsschlucht“ wo das Wasser tosend und brüllend in die Tiefe stürzt. Riesige Regenbogen glitzern in der Sonne, ein atemberaubendes Schauspiel. Der Anblick von beiden Seiten ist lohnenswert. Neben zahlreichen Touristen aus aller Welt begleiteten uns die südamerikanischen Nasenbären auf den Stegen. Mit einem Motorboot fuhren wir in einen der Wasserfälle hinein und spürten die gewaltige Kraft des Wassers hautnah. Ein riesiger Spaß, der von einigen Touristen mit Schreien lautstark zum Ausdruck gebracht wurde. Empfehlenswert ist der Besuch des Vogelparks „Parque de Aves“ in der Nähe der Iguazú-Wasserfälle. Hier sind 150 Vogelarten und ca. 1400 Vögel aus dem Atlantischen Regenwald beheimatet. Von den kleinsten Vögeln, den Kolibris, bis zu riesigen Adlern. Der Vogelpark, dient auch als Rehabilitation und unterstützt Artenschutz für bedrohte Vogelarten.

Bonito – Natur hautnah erleben

Von Foz de Igazú flogen wir nach Campo Grande. Wir erreichten in einer fünfstündigen Busfahrt Bonito, unser nächstes Quartier für einen viertägigen Aufenthalt, im Bundesstatt Mato Grosso del Sul. Diesen Urlaubsort kann ich wärmstens empfehlen, weil es ein vielfältiges Angebot für Touristen bietet. Erstmals ging es zum Schnorcheln im „Rio del Prad“. Es ist ein außergewöhnlich klarer Fluss, mit einer Sichtweite von bis zu 50 Metern unter Wasser! Mit unseren Schnorchel und den Flossen tauchen wir in den kristallgrünen Fluss ein. Wir lassen uns von der sanften Strömung treiben. Um uns schwimmen die Fische, zum Greifen nah. Wir beäugen uns gegenseitig, können uns nicht satt sehen. Wir sind beeindruckt von der Vielzahl der bunten Fische, manchmal ganze Schwärme, die auf der ca. 2 kilometerlangen Strecke zu sehen waren, vom Flussboden mit Sandfontänen (durch Quellen verursacht), sowie Mangroven und versunkene Bäume, während dieses dreistündigen Taucherlebnisses.
Mit „Schnorcheln“ ging es weiter: dieses Mal in der Höhle „Gruta de Mimoso“, eine spektakuläre Naturschönheit, die sich nur 35 Kilometer entfernt von Bonito befindet. In der größten Halle gibt es einen 70 m tiefen See. Ausgerüstet mit Neoprenanzug, Taucherbrille, Schnorchel und Flossen konnten wir die Unterwasserwelt, sowie Stalaktiten – die bis zu 8 Metern lang waren – und andere Kalksteinformationen bewundern.
50 km südlich von Bonito nahe der Gemeinde Jardin, besuchten wir das Naturschutzgebiet „Buraco de Araras“ (Loch der Araras), um Papageien und andere Vögel zu beobachten. Der riesige Sandsteinkrater, eine geologische Formation, die durch den Einsturz von Felsbrocken entstanden ist, hat einen Durchmesser von etwa 500 Metern und eine Tiefe von 100 Metern. Am Rande der Doline gibt es zwei hölzerne Aussichtsplattformen. Von dort aus konnten wir die Vögel beobachten, die kreischend hin und her flogen (Tukan, Ibis u.v.m.). Die hübschesten Vögel, mit ihrem bunt-leuchtenden Federkleid, sind die „Rot-Grünen Papageien“, die eine Körperlänge von bis zu 100 cm erreichen. Sie können auch bis zu 80 Jahre alt werden. Ihre Nester bauen sie im roten Sandstein, den senkrechten Wänden des Kraters.
Einen weiteren aktiven Tag verbrachten wir im Ecological Park:„Porto da Ilha“. Er befindet sich am Ufer des Rio Formoso, südlich von Bonito. Erst sind wir mit „Bojen“ (Schwimmreifen, in die man sich reinsetzt) über Wasserfälle und Stromschnellen runtergedonnert. Danach folgte ein weiteres adrenalingeladenes Abenteuer: eine Rafting-Bootsfahrt, die aufregend, unterhaltsam und sehr nass war. Gemächlich und entspannt beendeten wir diesen Tag mit einer Stand-Up-Paddle-Tour, auf einem Seitenarm des Flusses.

Pantanal Sumpfgebiet

Mit einem Bus erreichten wir Miranda, ein Ort im Pantanal. Es ist das größte Binnenland-Feuchtgebiet der Erde (halb so groß wie Deutschland), welches seit dem Jahr 2000 Biosphärenreservat der UNESCO ist. Zahlreiche Flüsse und Süßwasserseen bilden diese riesige Sumpflandschaft. Große Flächen des Pantanals wurden entwässert und in Weideflächen für Rinderzucht und Zuckerrohrplantagen umgewandelt. Diese sind riesig – sie scheinen sich am Horizont mit dem Himmel zu vereinen. 220 Millionen Rinder weiden pro Jahr in Brasilien. Die meisten im Bundesstaat Mato Grosso, also hier im Pantanal. Um die Landschaft und die wilde Tierwelt zu erkunden, folgte eine Schiffs- und eine Bootsfahrt auf dem riesigen Miranda Fluss. Ein junger Mann ist unser Bootsfahrer. Links und rechts entlang des Flussufers bildet die üppige Vegetation eine grüne Wand. Am Flussrand entdeckten wir Breitschnauzkaimane. Auf Bäumen und in der Luft verschiedene Vogelarten, wie zum Beispiel: Brasil Scharbe, Silberreiher, Eisvögel und Greifvögel. Darunter den riesigen Greifvogel, der Schopfcaracara, mit einer Spannweite von 1,30 Metern. Unsere Fahrt endet in einem Teppich von Wasserpflanzen. Das Angebot, Piranhas zu fischen, nahmen wir gerne an. Die üppige Vegetation am Rande des Flusses und riesige Teppiche von Wasserhyazinthen und Seerosen sind einfach toll anzuschauen. Auch die Stille, die hier herrschte, trug dazu bei, die Wildnis des Pantanals zu genießen. Einen weiteren Tag verbrachten wir auf der „San Francisco Ecotourism Farm“. Hier wurde uns der ökologische Anbau von Getreide, Früchten und Viehzucht näher gebracht. Auf der Ranch werden Vögel gefüttert, damit die Touristen die Möglichkeit haben diese aus der Nähe zu betrachten. Auf einer Safari in einem offenen Geländefahrzeug sahen wir in freier Wildbahn den größten Vogel der brasilianischen Fauna: den Jabiru Storch, das Wappentier des Pantanals. Sein Kopf und Hals sind schwarz geschmückt, mit einem roten Halsband, das Federkleid ist weiß. Er wird bis zu 1,5 Metern hoch und hat eine Flügelspannweite von 2,6 Metern. Ebenso erblickten wir viele andere Vögel, wie zum Beispiel den Laufvogel Nandu, Schopfcaracara, Blatthühnchen und viele Papageienarten. Darunter auch die größten dieser Art: die Hyazintharas. Von den Säugetieren offenbarten sich Sumpfhirsche, Capbybara (Wasserschwein), Nasenbären, Brüll- und Kapuzineraffen. Weder den Jaguar, noch den Panter, die Könige des Pantanals, bekamen wir nicht zusehen – was auch nicht zu erwarten gewesen war.

Der Nationalpark „Serra do Cipo“

Von Campo Grande folgte ein weiterer Flug nach Bela Horizonte, eine zweieinhalb Millionen Stadt im Bundesstaat Mina Gerais. Mit dem Bus ging es 100 km weiter in den Nationalpark „Serra do Cipo“, auch brasilianische Savanne genannt. Eine Hügellandschaft, deren höchste Erhebung der Gipfel des Breu (1687 Meter) ist. Das zerklüftete Relief begünstigt die Bildung von Wasserfällen, Stromschnellen und natürlichen Tümpeln, die ihr Wasservolumen fast das ganze Jahr über konstant halten. Typisch für die Region sind auch die gewundenen und tiefen Schluchten, die Wasser führen. In ihnen bilden sich Kaskaden und Gumpen. Unser Ausgangsort war der Ort Serra di Cipo, wo wir in einer sehr schön gestalteten Unterkunft übernachteten. Mit ausgeliehenen Mountainbikes fuhren wir auf Forststraßen und Pfaden auf sandig-felsigem Boden, zwischen Gras- und Strauchgewächsen, zu unseren Zielen. Dort wanderten wir auch kurze Strecken, manchmal waten wir über Bäche, die eine willkommene Abkühlung brachten. Beim aufmerksamen Hingucken entdeckten wir auch Orchideen, Bromelien und Kakteen. Es waren nur wenige Höhenmeter zu bewältigen, um die Wasserfälle „Farofa“ (35 m hoch) und „Tombador“ (15m hoch) zu erreichen, bei deren Anblick das Herz höher schlug. In den Gumpen genossen wir das kühle Nass und erfrischten uns. Der Bandeirinha Canyon begeisterte uns am meisten. Mit seinen 80 Meter hohen Wänden erinnerte er mich an eine Westernkulisse. Auf dem Canyongrund bildete der Bach mehrere kleine Wasserfälle und Wasserbecken. Das warme Wasser (wir waren im Mai dort) lud zum Baden ein. Ich bin den Canyons durchschwimmen, Egon kletterte parallel auf den Felswänden der Schlucht. Da kein Mensch weit und breit war, verlieh es dem Schwimmausflug eine abenteuerliche Note.

Die Insel „Ilha Grande“

Unsere letzte Urlaubsstation war die „große“ Insel „Ilha Grande“, die ca. 100 Kilometer südlich von Rio de Janeiro vor der Küste Brasiliens liegt. Diese erreichten wir mit Bus und Fähre. Die Größe: knapp 30 Kilometer lang und 12 Kilometer breit. Sie ist komplett bewaldet. Hier gibt es keine Autos, außer einem Schülerbus. Der Weg zu unserer Unterkunft führte sogar über den Strand. Das Ziel der letzten drei Urlaubstage war: an Traumstränden baden und entspannen. Doch es kam anders, weil diese kleine Insel einen Gipfel von 990 Höhenmetern hat, der uns zu einem Aufstieg reizte. Somit viel der erste Ruhetag aus. Wir starteten morgens um fünf Uhr, damit wir der großen Nachmittagshitze entgehen können. Der Weg führte durch den tropischen, dicht bewachsenen Wald. Nach ca. drei Stunden erreichten wir den Gipfel des „Pico de Papagaio“, von wo aus sich ein Rundumblick auf die Insel, auf das Meer und auf das Festland bot. Den Namen erhielt der Gipfel dank seines Aussehens – der Gipfelaufbau ähnelt dem Kopf eines Papageis! Die 20 Strände dieser romantischen Insel kann man entweder zu Fuß oder mit dem Boot erreichen. An einem der Tage wanderten wir von unserem Quartier „Vila de Arbaao“ entlang der Strände, um an einem der schönsten Strände Brasiliens zu baden: Lopes de Mendes. Der beinahe weiße Sandstrand erstreckt sich über knapp 2,5 km entlang der Atlantikküste. Auch der letzte Tag war kein reiner Strandtag. Ich lief von einer Küste zur anderen Seite der Insel (Abraao – Dois Rios) und zurück und sammelte 23 Kilometer. Ich war im Training für den siebentägigen Berglauf „Transalpinrun“, eine Alpenüberquerung, der im September folgte.
Es war eine gelungene Reise, welche dank der Landschaften, der Fauna und der Flora, des warmen Klimas und der Sehenswürdigkeiten in Rio begeisterte. Alle Herbergen waren sauber und schön. Wir waren auch sehr zufrieden, dass wir den Urlaub aktiv gestalten konnten. Die Flüge, die Unterkünfte und einige Reisepakete konnte ich schon im Vorfeld bei einheimischen Reisegesellschaften buchen. Weitere Ausflüge buchte ich erst vor Ort. Meine spanischen Sprachkenntnisse waren mir von Nutzen, weil viele des Englischen nicht mächtig sind. Obwohl die Brasilianer Portugiesisch sprechen, konnte ich mich ausreichend mit ihnen verständigen. Die Begegnungen mit den Menschen in Brasilien waren alle von Höflichkeit, Hilfsbereitschaft und Respekt geprägt. Zusammenfassend, ein rundum gelungener Urlaub.
Anschließend an den Brasilien Urlaub fand der Transalpine-Run (TAR) statt. Es ist einer der anspruchsvollsten mehrtägigen Berglaufwettbewerbe, der in Europa organisiert wird. Unser Zweier-Team, bestehend aus Uwe Kauntz (47) und Reinhold Kraus (66), ist an sieben aufeinanderfolgenden Tagen 228 Kilometer, und dabei 12.250 Höhenmeter (Hm) hoch und 11.810 Hm hinunter, in insgesamt 49 Stunden gelaufen, aus Österreich durch die Schweiz nach Italien. Dementsprechend groß war die Freude beim Zieleinlauf in Prad am Stilfserjoch, als der Sprecher ankündigte, dass das Team „Die Siebenbürger“ als Finisher die Ziellinie überquert. Der Ablauf dieses Trail Laufs wird in dem Vortag in Text und Bilder dem Zuschauer auf eine spannende Weise näher gebracht. Ein ausführlicher Bericht über den Lauf finden sie auf meiner Homepage.