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Was bedeuten mir die Berge?

Hansotto Drotloff schlug mir vor, diese Frage in einem Bericht zu beantworten. Das tue ich gerne, allerdings möchte ich nicht nur meine Empfindungen darin schildern, sondern auch die Meinung anderer Bergsteiger mit einbeziehen. Grund und Art, warum Menschen in die Berge gehen, sind vielfältig und abhängig von Menschentypen, Bergdisziplinen, Einstiegsalter, der Intensität des Ausübens, von dem Interesse jedes einzeln und somit stark differenziert. Ist das Bergsteigen für alle eine Option? Die Frage lasse ich die deutsche Bergpionierin Eleonore Noll-Hasenclever beantworten: „Um das Glück, das die Berge ihren Getreuen schenken, ist es ein eigen Ding; es lässt sich nicht erzwingen. Wer aber je dieses Glück empfunden, der ist den Bergen für immer verfallen. Sie machen ihn unendlich reich, und ich glaube, er kann nie wieder ganz arm werden!“ Durch meine Tätigkeit als Fachübungsleiter Bergsteigen und den Führungspositionen in der Alpingruppe Adonis und der Sektion Karpaten des DAV erweitert sich die Bedeutung der Berge für mich.

Erst seit dem 19. Jahrhundert wurden die Berge und das Bergsteigen für eine größere Gruppe von Menschen interessant. Bis dahin glaubte man, dass in den Bergen Drachen wohnen oder dass dort oben die Götter zuhause seien. Erst nachdem sich die ersten Pioniere auf die Gipfel wagten, darüber Bücher schrieben, die Berge gemalt und gepriesen haben, begannen die ersten Touristen in den Bergdörfern Urlaub zu machen. Nach und nach begannen die Menschen die Berge als schön zu empfinden, ein Gefühl, das man den nächsten Generationen weitervermittelte. Somit wurden die ersten Bergsteigervereine gegründet, wie zum Beispiel 1869 der Deutsche Alpenverein (DAV) und 1880 der Siebenbürgische Karpatenverein (SKV). Am Anfang ging es darum, die Landschaft zu genießen und auf die Gipfel zu steigen. Später wurde der Weg, „wie“ man auf die Gipfel steigt, in den Mittelpunkt gerückt und letztendlich folgte das Bezwingen der hohen Gipfel dieser Welt. Edmund Hillary, der erste Everest-Besteiger, beantwortetet 1953 die Frage, warum er auf die Berge steigt, mit dem Satz: “Weil es sie gibt“. Im Laufe der Zeit wurde die Bedeutung der Berge für die Menschen, die sie zu Freizeitaktivitäten nutzen, vielfältig und dafür reichen diese vier Wörter nicht mehr aus. Der Nutzen lässt sich in zwei Kategorien aufteilen: Zum einen sind es die Stimmungen und Gefühle, die man während des Bergsteigens erlebt, zum anderen die Eigenschaften, die man sich aneignet, um das Ziel zu erreichen, bzw. die Eigenschaften und Charakterzüge, die man dabei erwirbt.

Drei Gründe, um in die Berge zu gehen

Die Gründe, weshalb die Menschen heute in die Berge gehen lassen sich grob in drei Kategorien einteilen. Den Einen geht es darum, sich dem erhabenen Naturgenuss hinzugeben, sich an Landschaften, Flora und Fauna zu begeistern, Erholung und einen Ausgleich für den Alltag zu suchen, dabei die Natur zu spüren und intensiv zu erleben. Die Anderen reizt der Bergsport, wo es primär darum geht, sich körperlich zu fordern, auf schwierige Hoch-, Kletter- oder Skitouren zu gehen sowie um den Lang- und Berglauf. Und schließlich folgen die Höhenbergsteiger (Expeditionsbergsteiger), die konditionelle Ausdauer sowie mentale Stärke besitzen und besondere Entbehrungen in Kauf nehmen müssen, um ihre Ziele zu erreichen.

Viele Menschen arbeiten heute am Schreibtisch, in geschlossenen Räumen, haben somit wenig Kontakt mit der Natur und verrichten keine körperliche Arbeit. Diese Mängel gleichen sie in ihren Freizeitaktivitäten aus, in die sich auch das Wandern in den Bergen einreiht. Unser heutiger Wohlstand und die vielen Absicherungen lassen kaum große, emotionsgeladene Gefühle zu. Demzufolge sind die Menschen auf der Suche nach besonderen Gefühlserlebnissen. Auch diese bietet der Aufenthalt in den Bergen. Dazu gehören angenehme Stimmungen wie Staunen über ihre Schönheit, Spannung aufgrund der Gefahren am Berg, das Unvorhergesehene, die Neugierde, die Genugtuung beim Erreichen eines Gipfels oder des gesetzten Zieles, das Gefühl der Geborgenheit und die Erleichterung beim Erreichen der Hütte oder des Zeltes. Aber auch unangenehme Stimmungen gehören zum Bergsteigen, so etwa Enttäuschung, Leid, Frust, Gefühle wie Hoffnungslosigkeit, Angst oder Empörung. Alle diese Empfindungen machen zusammen mit vielfältigen Sinnesreizen das Erleben am Berg zum Abenteuer, in dem man sich wahrnimmt, daran wächst und letztendlich mit sich zufrieden ist. Erich Bonfert, ein Höhenbergsteiger der Sektion Karpaten, hat es folgendermaßen zusammengefasst: „Das Bergsteigen ist ein Maßstab für physische und geistige Qualität einerseits, doch auch eine Schule zur Selbsterkenntnis und zur Überwindung von Trägheit, Angst und Unwissenheit, eine intensive Form des wahren geistigen Lebens“.

Was sind nun meine eigenen Gründe, in welche Kategorien passe ich rein? In alle. Ich begann mit Wandern in meiner Geburtsstadt Mediasch auf dem Hausberg „Binder Bubi“ und landete letztendlich auf einem Achttausender, praktizierte alle Bergdisziplinen, vom Felsklettern bis zum Eisklettern, Klettersteige, Skitouren, Berg- und Orientierungsläufe, Mountainbiking, Hochtouren auf vielen Bergketten der Welt, Expeditionen auf die höchsten Berge von vier Kontinenten. Wie es dazu kam, als Hobbybergsteiger so tief in den Sog des Bergsteigens einzutauchen, versuche ich nun nach und nach zu erläutern. Genauso wichtig wie das Erklimmen der Berge sind für mich die Begegnungen mit den Menschen, mit meinen Bergkameraden, mit Bergsteigern aus allen Herren Länder, mit einheimischen Völkern, den Bergführer und nicht zuletzt den Trägern, ohne die das Höhenbergsteigen in fernen Ländern nicht möglich wäre.

Die Liebe zur Natur, den Bergen und dem Abenteuer

Mein Weg zu den Bergen und der Liebe zur Natur begann in der Schulzeit, dank meiner genialen Klassenlehrerin im Axente-Sever Lyzeum in Mediasch, Christa Maurer geborene Honigberger. Sie begleitete mich von der 5. bis zur 8. Klasse, zwischen 1966 und 1969. Christa war Sportlehrerin und ebnete mir den Weg zur Leichtathletik. Mein erstes Training – damals war ich 11 Jahre alt -absolvierte ich barfuß auf der Schlackenbahn der Sportschule, weil ich das Eintreffen meiner Sportschuhe nicht abwarten konnte. In dieser Zeit organisierte Christa zwei Freizeitwochen mit Zelten, die erste in Fettendorf (Fetea) und die zweite in Dunnesdorf (Danes) in der Nähe von Schäßburg. Die Zelte wurden auf einer Wiese am Waldesrand aufgeschlagen, nicht etwa auf einem Campingplatz. Eine weitere für heute unvorstellbare Besonderheit war, dass in Fettendorf nur Christa und die Professorin Ingrid Kloss die 40 elfjährigen Schüler betreuten. Zwei Jahre später folgte das Zeltlager in Dunnesdorf und diesmal betreute Christa als einzige Erwachsene die ca. 30 vierzehnjährigen Schüler. Eine ganze Woche lang schliefen Mädels und Jungs in großen Zelten für je 10 Personen, wir machten Feuer mit dem Holz, das wir aus dem Wald brachten, um Essen zu kochen. Wir spielten im Wald mit Äxten, machten Wanderungen. Christa fuhr mit ihrem Motorrad jeden Tag nach Schäßburg, um Einkäufe zu tätigen, wie Brot, Eier, Milch, Nudeln, Obst. Eine großartige Leistung, vor der ich mich tief verbeuge.

Die Schule organisierte Wanderungen rings um Mediasch und in die Karpaten, zum Beispiel zum Surul, Sîmbăta in den Fogarascher Bergen sowie eine Skiwoche auf der Hohen Rinne bei Hermannstadt, an denen ich teilnahm. In dieser Zeit wurde der Grundstein für mein sportliches Leben und die Abenteuerlust gelegt, ein Hunger wurde entfacht, der mich mein ganzes Leben begleitete. Die Neugierde auf die große Welt, auf das Leben anderer Völker und Kulturen löste Geografie Professor Gustav Servatius mit seinen interessanten Schulstunden aus. Zu meiner Freude haben wir in den Jahren 1995-1999 gemeinsam das Vereinsleben in der Sektion Karpaten des Deutschen Alpenvereins mitgestaltet und somit Mediasch würdig vertreten.

In der Jugendzeit bestand der Reiz in die Berge zu gehen – damals in die Karpaten – in erster Reihe darin, mit Freundinnen und Freunden zusammen zu sein und Spaß auf den Hütten zu haben. Darüber hinaus bot sich uns Jugendlichen die Möglichkeit unsere körperlichen Fähigkeiten zu testen und zu beweisen. Die Berge hatten den Ruf einer unverdorbenen, manchmal romantischen oder geradezu mystischen Welt und vermittelten uns das Gefühl der Freiheit. Ab meinem18. Lebensjahr spielte ich zwölf Jahre lang Handball in der Betriebsmannschaft des Automecanica- Betriebs in Mediasch, wo ich damals arbeitete. Mit 30 Jahren war Schluss und ich brauchte eine neue sportliche Herausforderung. Diese fand ich 1985 in den Bergsportwettbewerben, die damals in den Karpaten Rumäniens Hochkonjunktur hatten. Fünf Jahre lang nahm ich mit der Alpingruppe Adonis an solchen Wettbewerben teil. Die Wandergruppe war wiederholt erfolgreich und erwarb viele Urkunden und Pokale. Wir wurden körperlich und geistig gefordert, weil bei diesen Wettbewerben sowohl lange Wanderstrecken bewältigt, aber auch Fragen über Geologie, Fauna und Flora beantwortet werden mussten. Eine Mannschaft bestand aus drei Personen, die sich gegenseitig ergänzten, die zusammen litten und feierten. Die Berge wurden für mich der schönste Sportplatz der Welt und je mehr ich sie kennenlernte, umso mehr schätze ich sie. Die vielen erworbenen Urkunden und Pokale auf Regional-, Kreis- und Landesebene, machten mich selbstbewusster und forderten mich weiter heraus. Ein Anreiz, an diesen Wettbewerben teilzunehmen, war außerdem der sportliche Aspekt, das Zusammenhörigkeitsgefühl und der Stolz, Teil der Alpingruppe Adonis zu sein. Nach dem Wettbewerb feierten wir oft am Lagerfeuer mit Gitarrengesang und Alkohol bis spät in die Nacht hinein. Eine große Genugtuung war es zu erleben, welch Freude man Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bereitete, die dank der Alpingruppe Adonis die Berge, die Bergdisziplinen und die heitere Atmosphäre kennenlernten, aber auch sportlichen und kämpferischen Ehrgeiz entwickelten.

Nach der Umsiedlung nach Deutschland im Jahr 1990 war es die Sehnsucht die oben beschriebenen Gefühle weiter spüren zu können, die uns die Alpingruppe Adonis neu gründen ließ. Ein weiterer Grund war sicher auch der gesellige Aspekt, das Zusammentreffen Gleichgesinnter und die Erhaltung unserer siebenbürgischen Identität in der neuen Heimat Deutschland.

Neue Gebiete, bessere Möglichkeiten, neue Ziele

Nun waren es die Alpen, die meine Neugierde weckten und mir weitere bergsteigerische Horizonte eröffneten. Von meinem ersten verdienten Geld kaufte ich mir Bergschuhe und bestieg bei meiner ersten Bergtour – an einem Tag – die Alpspitze (2628 m) mit 2000 Höhenmeter (Hm) im Aufstieg und 1000 Hm im Abstieg bis zur Kreuzeckhütte. Die Alpen beeindruckten mich und meine Bergsteigerfreunde mit ihrer Vielfalt, mit ihren steilen, oft vertikalen Wänden, mit den beeindruckenden Felsformationen, durch ihre Höhe und Mächtigkeit. Bald erkannte ich das große Potential, aber auch die größeren Gefahren in diesen Bergen. Die Erkenntnis kristallisierte sich schnell heraus, dass das Ausüben der vielen Bergdisziplinen nur mit einer guten Ausbildung möglich war. Es liegt im Wesen des Menschen, die Grenzen zu verschieben, sich weiter zu entwickeln und so war es auch bei mir. Ich lernte nicht nur die Techniken der verschiedenen Bergdisziplinen und den Umgang mit den Gefahren im Bergsport kennen, sondern sammelte auch Erkenntnisse über die Beschaffenheit der Alpen und den Naturschutz. Mit der Ausbildung zum Fachübungsleiter Bergsteigen erweiterte ich mein Wissen zusätzlich. Klettern, Hochtouren, Skitouren, Klettersteige, Mountainbiking kamen dazu. Ausrüstungskunde, Tourenplanung, Orientierung, Sicherheitstechnik, Bergrettung, Risikomanagement, Wetterkunde, Erste Hilfe sind Themen, die alle Bergdisziplinen betreffen. Der Wunsch und Wille, höhere Gipfel mit größeren Schwierigkeitsgraden zu besteigen, wuchs stetig. Es war eine Möglichkeit, mir etwas zu beweisen, auch ein Test meiner selbst, um festzustellen, aus welchem Holz ich geschnitzt bin. Nicht nur beim Bergsteigen sind Eigenschaften wie Disziplin, Hartnäckigkeit, Durchhaltevermögen, Entscheidungsfreudigkeit, Entschlossenheit, Leidensfähigkeit, Belastbarkeit, Vertrautheit unerlässlich. Sie helfen auch die Aufgaben, die uns das tägliche Leben stellt, besser zu bewältigen, um uns insgesamt zufriedener zu machen. Erich Bonfert fasst das so zusammen: „Der Berg ist ein teurer, aufrichtiger Freund des Bergsteigers, er ist die Schule im Kampf gegen seinen inneren Feind“.

Nach und nach konnte ich nun die „Modeberge“ der Alpen bestiegen: Mont Blanc 4.810 m , Matterhorn 4.478 m, Dom 4.545 m, Grand Paradiso 4.061 m, Piz Palü 3901, Großglockner 3.798 m, Wildspitze 3.770 m, Watzmann Ostwand, u.v.m. Jeder Gipfel schenkte mir Momente der Freude, Zufriedenheit mit mir, weil das gesetzte Ziel erreicht wurde. Diese Leistungen blieben nicht unbemerkt und ich erntete Anerkennung die ihrerseits meine Motivation und das Vertrauen in meine Kräfte weiter stärkte. Die Möglichkeiten über das Bergsteigen im Mediascher Infoblatt, der Siebenbürgischen Zeitung und in den Jahrbüchern der Sektion Karpaten zu schreiben, Fotoausstellungen in Dinkelsbühl, Hermannstadt und München zu zeigen oder Dia- Vorträge zu halten spornten mich dazu an, meine Erfahrungen anderen weiter zu geben.

Höhenbergsteigen – eine besondere Herausforderung

Dass das Bergsteigen gefährlich sein kann, ist bekannt. Doch das Höhenbergsteigen, also Bergsteigen über 5.000 Meter, ist noch gefährlicher, ja sogar lebensgefährlich und zum Teil eine Qual. Dieser Leidenschaft ist ohne Leiden buchstäblich nicht zu frönen. Dennoch nehmen einige Menschen diese Gefahren in Kauf, suchen außergewöhnliche Herausforderungen und haben den Mut, ihre Träume zu verwirklichen. Das Höhenbergsteigen bereitet viele Unannehmlichkeiten. Wochenlanges Übernachten im Zelt, bei Kälte, Schnee und Eis, mangelhafte Hygiene, genügsames Essen, manchmal schlechter Schlaf. Auch das „Scheitern“, also das nicht erreichen des Gipfels, gehört dazu. Warum tun sie es trotzdem? Welches sind die treibenden Kräfte und welches die positiven Emotionen, die man dabei erlebt? Die treibenden Kräfte liegen tief im Inneren einiger Menschen, es ist der Drang und die Neugierde, die Welt kennenzulernen, das Bedürfnis, sich weiter zu entwickeln und sich am Geleisteten zu messen. Ein Sprichwort aus Grönland besagt: „Wenn Du nur so weit gehst, dass Du glaubst, keinen Schritt weiter gehen zu können, gehst Du nur halb so weit wie Du kannst“.

Höhenbergsteigen muss erst recht gelernt werden. Wichtig ist, nicht gleich nach dem ersten Bergsteigerkurs die Besteigung des Everests anzupeilen, sondern sich angemessene Ziele zu stecken, die dann allmählich nach oben verschoben werden können. Letztendlich wird das Bergsteigen ein Schauplatz von Fantasie, Kreativität und körperlichen Herausforderungen. Viele bergsteigerische Ziele haben sich aus der Geschichte heraus entwickelt, viele habe ich von Vorgängern abgeschaut. Die größten Emotionen entstehen, wenn der Aufwand, den man betreibt, groß ist, wenn die Tour einen richtig fordert. Beim Höhenbergsteigen sind es: die aufwendige Organisation, die langen Gehzeiten, die großen Höhen, oft keine Rettungsmöglichkeiten, die letztendlich das Abenteuergefühl stärken. Die „Angst“ ist ein unverzichtbarer Begleiter, ein „Freund“ des Bergsteigers, die notwendig ist, um schwierige Situationen zu meistern, um zu überleben. Der Umgang mit ihr und die „Befreiung“ davon löst große Befriedigung aus. Es lohnt sich also, mutig zu sein. Wichtig und unerlässlich ist, wie auch sonst im Leben, ein gutes Durchhaltevermögen, nicht nur während einer Expedition, sondern über Jahre hinweg. Somit entstehen neue effektive Denk- und Handlungsmuster, ein Feuerwerk von sinnlichen, intellektuellen, emotionalen, intuitiven, inspirativen Erfahrungen, die den Wert dieses Tuns ausmachen. Charles Houston, eine amerikanischer Bergsteiger, meinte: „Leben heißt wagen, Leben bedeutet, was zu riskieren. Wer nichts wagt, der erlebt auch nichts“ Selbstverständlich sind Höhenbergsteiger keine Selbstmörder, sie tun das nicht, um zu sterben, sondern im Gegenteil, um das Leben spürbarer zu machen. Gefahren, die gesucht und überwunden werden, geben unendliche Genugtuung und Befriedigung. Verantwortung übernehmen, planen, organisieren, sich orientieren, Kälte, Wärme, Hunger, Durst ertragen, mit Druck und Leiden umgehen, für andere da zu sein, ja sogar das Leben für andere zu riskieren gehört dazu. Es gibt kurze Zeitspannen in den ausgesetzten, schwierigen Klettereien, in denen man gefühlt viel mehr erlebt als in einem ganzen Jahr. Dort wird das Leben zu einem aufregenden und beglückenden Erlebnis.

All das Beschriebene erlebte ich auf dem Elbrus 5642 m, dem Mount Kenia 5199 m, dem Kilimanjaro 5859 m, dem Denali (Mount Mc Kinley) 6190 m, dem Chimborazo 6268 m, dem Aconcagua 6961 m und auf dem höchsten von mir bisher bestiegenen Berg, dem Cho Oyu 8201 m, dem sechshöchsten Gipfel der Welt. Berichte darüber sind auf meiner Homepage nachlesbar. Auf allen Bergen kann man das Gehen zeitweise wie eine Meditation empfinden, weil man es schafft, Gedanken auszuschalten, die sich um die Existenz und um den Alltag drehen und somit eine andere gedankliche Ebene erreicht. Das ist möglich, weil man sich auf das Wesentliche konzentriert, wie auf einzelne Schritte oder auf die Hand, die greift, das Erreichen des Gipfels und von nichts gelockt und abgelenkt wird. Es sind somit auch die ruhigen Stunden, die glücklich machen, in der meist menschenunfreundlichen Welt. Große Freuden hatte ich jedes Mal, als ich von diesen anstrengenden Unternehmungen wieder zu Hause ankam, mich in Sicherheit fühlte und das Erlebte mit meiner Familie, meinen Freunden und allen daran interessierten teilen konnte. Dazu kam der Stolz über das Erreichte.

Für andere da sein

Das Bestreben, die vielen positiven und emotionsgeladenen Erfahrungen, die ich in den Bergen machte, an meine Mitmenschen weiterzugeben, war bei mir immer vorhanden. Die Berge sind dann nicht nur der Ort, an dem ich mich selbst weiterentwickele, sondern auch der Ort, wo ich für andere da sein und etwas von mir weitergeben kann. Daher organisiere ich oft geführte Touren, biete Ausbildungen an oder organisiere Treffen. 1985 war ich eines der Gründungsmitglieder der Alpingruppe Adonis, später lange Jahre stellvertretender Vorsitzender- und letztendlich seit 2010 Vorsitzender der Sektion Karpaten des DAV. Im Laufe der 35 aktiven Jahre leitete ich ehrenamtlich viele Ausbildungen in fast allen Bergdisziplinen. Diese Tätigkeiten bescherten mir eine Menge freudige Empfindungen, weil ich damit vielen Menschen den Weg zu den Bergen ebnete, ihnen neue Möglichkeiten, das Leben zu gestalten, aufzeigte. Das machte und macht mein Leben unvorstellbar schön. Die vielen Stunden und manchmal auch Nerven, die ich dafür investierte, sah und sehe ich als sinnvoll, weil es nichts Schöneres gibt, als für andere da zu sein. Mein Bestreben war es, nicht nur Wissen weiterzugeben, sondern auch Lebensfreude, Spaß, Ausgelassenheit.

Weitere Bereicherungen

Die Berge bedeuten für mich heute auch die Fortführung der Tradition des Bergsteigens der Siebenbürger Sachsen, die im Jahr 1880 in den Karpaten Rumäniens mit der Gründung des Siebenbürgischen Karpatenvereins (SKV) begann. Erfahren habe ich von dessen Existenz erst als ich 33 Jahre alt war, da die Geschichte des SKV von den rumänischen Behörden unterdrückt wurde. Dem SKV gebührt großer Respekt, weil er die Berge erschloss, Hütten baute, die Flora und Fauna erforschte und vielen Landsleuten die Berge näher brachte. Die Partnerschaft der Sektion Karpaten des DAV mit dem seit 1997 wiederbelebten SKV in Rumänien macht mich zufrieden.
Dank des Bergsteigens habe ich viele Länder und Regionen bereist, verschiedenartige Kulturen und Lebensweisheiten kennengelernt. Diese ergänzten mein Weltbild und den Respekt für alle Völker dieser Erde, Erfahrungen, die ich in meinen Berichten und Dia-Vorträgen gerne vermittele. Mein Respekt für die Berge und die Natur ist groß. Das Kennenlernen wunderbarer Naturschätze und ursprünglicher Wildnis macht deren Schutz selbstverständlich. Ich ging und gehe in die Berge, weil ich hier Erfolg habe, schöne und spannende Momente erlebe, weil sie mich zu dem formten, der ich heute bin: einem glücklichen Menschen, der Glück gerne mit anderen Menschen teilt. Selbstverständlich schwingt das schöne Gefühl, Mediascher zu sein, mit – der Ort, in dem meine Grundcharakterzüge geschmiedet wurden. Die „Eroberung des Sinnlosen“ führte zur Befreiung des Geistes, zur Genügsamkeit, zur Anerkennung, zum inneren Frieden und deshalb ist den Bergen eine hohe Bedeutung zuzuschreiben.

Die Alpingruppe Adonis und die Sektion Karpaten des DAV sind dafür da, Euch den Weg zu den Bergen zu zeigen, um dann diese Leidenschaft mit uns zu teilen. www.Sektion-Karpaten.de