Aconcagua

Aconcagua 6962m bestiegen

Nach der Besteigungen der höchsten Gipfel in den Alpen, den höchsten Bergen Europas und Afrikas, war es die logische Folge den höchsten Berges Süd Amerikas den Aconcagua anzugehen. Dieses Mal bestand das Team, der Alpingruppe Adonis der Sektion Karpaten des DAV aus den Gipfelstürmer: Karin (51) und Egin (65) Scheiner, Carmen Heiser (36) Thomas Heiser(Puma) (29) und Reinhold Kraus (48).

Die Expedition wurde mit Beteiligung aller Teilnehmer in eigener Regie organisiert.

Die gesamte Reise dauerte 27 Tage vom 20.12.04. – 15.01.05, davon wurden 14 Tage für die Besteigung benötigt. Die restlichen Tage haben wir für die Anreise, die über Atlanta verlief, in Santiago de Chile und an der chilenischen Pazifikküste verbracht.

Carmen Heiser (36) ist gebbürtige Mediascherin und war schon 1985, damals 13 Jahre alt, eines der ersten Mitglieder der Alpingruppe Adonis, wohnt jetzt mit ihrer Familie in Heilbronn. Thomas Heiser (29), ist ebenfalls gebbürtiger Mediascher, auch wohnhaft in Heilbronn, ein erfahrener Globetrotter und passionierter Fotograf. Seine Reisen und Bilder hat er eindrucksvoll auf seiner Homepage dokumentiert: www.trekking4fun.de →

Karin und Egin Karin kommen aus Hermanstadt sind jetzt wohnhaft in Schlierbach. Egin war viele Jahre bei der Bergwacht, meist in den Fogarascher Gebirgen, tätig.

Vorbereitung

Die Reise und Besteigung habe ich größtenteils selbst organisiert, unterstütz von den Teilnehmer.

Die Möglichkeiten einen hohen, bekannten Berg zu Besteigen sind vielfältig. Welche Variante man dabei wählt, hängt mit den bergsteigerischen Ambitionen und Kenntnisse, den Gegebenheiten des Berges und dem Geld das man dafür ausgeben möchte zusammen. Nach detaillierte Informationen über die Möglichkeiten den Aconcagua zu besteigen, entschlossen wir uns für die normal Route, die von den meisten Bergsteiger gegangen wird. Expeditionen kann man über kommerzielle Anbieter organisieren lassen, die sowohl die Schlafmöglichkeiten als auch die Verpflegung und Führung am Berg stellen. Diese Möglichkeit wählten wir nicht, nicht nur weil es vielmehr Geld gekostet hätte, sondern weil wir die bergsteigerische Leistung nicht schmälern wollten. Deshalb nahmen wir nur einen Service in Anspruch, und zwar, dass unser Ausrüstungsgepäck von dem Eingang in den Nationalpark des Aconcagua bis ins Basislager mit Hilfe von Mulis getragen wird. Der Vorbereitungsschwerpunkt war das sammeln von Informationen über den Berg, das heißt Literatur und Internet durchwälzen, lesen, vergleichen, die Erfahrungen anderer Bergsteiger eigen machen, Gefahren die der Aconcagua verbirgt erkennen und analysieren, da leider schon 500 Bergsteiger ihr Leben hier verloren.

Gemeinsam stimmten wir die Route und Besteigungstaktik ab und erstellten einen Gruppenvorbereitungsplan. Ein nächster Schritt war die gemeinsamen Ausrüstungsbedarf festzulegen. Wir brauchten insgesamt 6 Zelte, 4 Kocher, Kochgeschirr, ca. 20 Kg Hochlageressen. Drei Zelte stellte uns die Sektion Karpaten zur Verfügung. Die persönliche Ausrüstung, musste nun den Bedingungen die auf dem Aconcagua herrschen, angepasst werde. Puma und Karin schafften sich Schallehnschuhe an und ich Hochtourturnschuhe, Kosten €760, einen guter Schlaffsack, der mit €700 auch schmerzte, Daunenjacken u.v.m.

Die Vorbereitungstouren gingen auf die Zugspitze und in die Lechtaler Alpen bei –15° C im knietiefen Schnee. Carmen ging regelmäßig Schwimmen und Joggen, Puma hatte kein bestimmtes Vorbereitungsprogramm und ich habe mich zwei Monate vor Beginn der Tour mit Fahrradfahren fit machte. Das Pensum, jeden zweiten oder dritten Tag 50 Km, die ich oft bei Minusgrade mit meinem Freund Bernd Binder abstrampelte, dem ich an dieser Stellen danken möchte für die konditionelle Vorbereitungsunterstützung. Joggen konnte ich nicht, da ich in der rechten Wade einen Muskelfaserriss hatte. Der spanisch Kurs in der Volkshochschule sollte mir später zu nutze sein. Die Vorbereitungen für dieses Ereignis waren komplex, sowohl auf mentalen als auch auf der organisatorischen Ebene und das ist die halbe Miete, wenn man so einen Berg besteigen möchte.

Santiago de Chile

Chiles ist zwei mal so groß wie Deutschland, und zieht sich 4300 Km in Nord Süd Richtung an der Küste des Pazifik entlang, mit einer Breite von bis zu 300 Km. Santiago, die Hauptstadt liegt in einem Bergkessel der Anden, das sich zur Küste hin öffnet. Sechs Millionen Menschen, also fast die Hälfte der 14 Millionen Einwohner Chiles, leben hier. Obwohl diese Stadt keine außergewöhnliche Sehnwürdigkeiten hat, begeistert sie mit ihren modernen Hochhäuser mit buntem Glas verkleidet, den Fußgängerzonen mit Leuten gefüllt aber insbesondere mit den vielen Parks und Aussichtspunkten. Mitten in der Stadt befindet sich ein 880m hoher Berg, 323 von der Stadthöhe, genannt San Cristobal, auf dessen Anhöhe eine Statue der Jungfrau Maria aufgebaut ist, unsere „Erste“ Besteigung. Die weiße Statue aus Stein kann man mit ihren 22 m Höhe von überall aus der Stadt sehen und von hier natürlich die ganze Stadt soweit das Auge reicht. Wir blieben lange oben, bis die Sonne hinter den Bergen verschwand und den Himmel in ein dunkelrotes Meer verwandelte, wobei die Millionen von Lichter die Konturen der Stadt abzeichneten, die sich zum Teil an den Bergrücken der Anden hoch ziehen. Wir entdeckten zu unserer Freude den Park Municipal mit seinen Säulenbauten, Springbrunnen und blühenden Blumen und den Forest Park wo eine der schönsten Skulpturen „ Der deutsche Brunnen“ steht. Dieser wurde von einer Deutschen Kolonie aus Chile dem Land zur 100 Jährigen Unabhängigkeit geschenkt, die Chile im Jahr 1817 erreichte, durch die Befreiung von der spanischen Kolonialmacht. Der argentinischer General Don Jose de San Martin überquerte die Anden mit einem Heer von 5300 Mann, mit 9280 Maultieren und 1600 Pferde über einen Andensättel von bis zu 4000m, drang nach Chile ein und befreite das Land von der spanischen Herrschaft. Nach 1955 war Chile auch ein Einparteienstatt unter Allendes – ein guter Freund des DDR Präsidenten Honecker – der 1973 von Pinochet gestürzt wurde. 16 Jahre dauerte die Militärdiktatur, in der Pinocet seine Hände mit Blut bekleckste. Heute ist Chile ein Präsidentenstaat mit einer demokratischen Regierung und Marktwirtschaft und kann die stabilste Wirtschaft in Süd Amerika vorweisen. Chile hat große Kupfer und Salpeter Vorkommen, im Süden wird Ackerbau, Rind und Pferdezucht betrieben. $ 400 ist das Durchschnittseinkommen der spanisch sprechenden Bevölkerung, die wir als sehr höfflich und entgegenkommend empfunden haben. Die guten Spanischkenntnisse von Egin Scheiner waren uns eine große Hilfe, da die wenigsten Englisch sprechen, geschweige den Deutsch können. Die Urbevölkerung die Araukanier und die Aymaras haben eine dunklere Hautfarbe, die sehr attraktiv auf mich wirkte. Mit einem geliehenen Auto besuchten wir die Pazifikküste von Val Paraiso bis Zappalar. Die mit Hotelanlagen ausgebaut Küste zieht zur Sommerzeit viele Urlauber an. Wir genossen das Treiben in einem Fischerdorf und holten uns einen Ganzkörpersonnenbrand an einem urigen felsigen Strand. Der Badespaß verdarb uns das kalte Wasser des Pazifiks für das der Humboldt Strom verantwortlich ist. Beeindruckt hat uns auch die Blumenpracht, die an den steilen Hängen der Küste mit kräftigen Farben strahlte, die Palmen, Möwen und Pelikane.

Geschichte Aconcagua

Der Aconcagua ist die höchste Erhebung der Anden, die mit ihren 7500 Km Nord –Süd Richtung, die längste Gebirgskette der Welt ist. Der Berg befindet sich in den argentinischen Anden in der Provinz Mendoza nahe der chilenischen Grenze. Er besitzt fünf Hanggletscher und bis zu zehn Kilometer lange Gletscher.

Der 200-800 Km breite Gebirgszug der Anden ist reich an Bodenschätzen, Gold, Silber, Kupfer und Zinn. Der Riese, eins ein Meeresboden, liegt in Argentinien, nicht weit weg von der chilenischen Grenze. Seinen Namen kommt aus der Quichua-Sprache die in „Ackon Cahual“ nannten, das in der Übersetzung „Wächter aus Stein“ bedeutet. Der Deutsche Paul Gustasfeldt ereichte im Jahr 1883, 6560m. 1896leitete ein englischer Wissenschaftler und Alpinist Edward Fritz Gerald eine Expedition und entdeckte die Route die heute als Normalroute bekannt ist. Die erste Besteigung gelang dem Schweizer Mathias Zurbringgen im Jahr 1897, der erste Argentinier bestieg den Gipfel im Jahr 1934 und die chilenischen Andinisten brachten 1944 die Erstbesteigung für ihr Land. Die fabelhafte Südwand mit ihren 3000m Höhenunterschied, mit höchsten Schwierigkeitsgraten in Fels und Eis, wurde am 25 Februar 1954 von einer Französischen Expedition bestiegen. Heute gibt es noch weitere Wege die hoch führen und viele Expeditionen aus der ganzen Welt, die ihr Glück hier versuchen. Eine weitere bekannte Route die zum Teil über den Gletscher führ ist die Polenroute. Bis zu 50 Alpinisten täglich betreten den Nationalpark, aber nur 1/5 gelingt die Besteigung des Aconcagua. Als ich diese Zahlen vor unserer Besteigung gelesen haben, war mir klar, das es keine leichte Aufgabe werden wir, den höchsten Gipfel des Südamerikanischen Kontinents zu besteigen.

Besteigung des Aconcagua

In Mendoza, der dritt größten Stadt Argentiniens, trafen Carmen, Puma und ich, Karin und Egin Scheiner die auf einer Weltreise waren und sich zeitlich in deren Hälfte befanden. Die Freude des Wiedersehens feierten wir um zwei Uhr in der Nacht, da hier viele Restaurante zur dieser späten Stunde geöffnet haben und die Strassen noch belebt sind. Am nächsten Morgen holten wir uns das Permit für den Nationalpark $ 300 ab und fuhren nach Penitentes, Camping Los Puquios, das Nahe von dem Ausgangspunkt unseres Trekks lag. Hier wurde unser Expeditionsausrüstung, fast 200 Kg, von der Reisegesellschaft Rudy Parra auf Mulis geladen, die diese ins Basislager transportierten. In der Cruz de Cania Hütte feierten wir mit der Familie des Wirten Weihnachten, da die Chilenen auch Christen sind. Mit ca. 15 Kg auf dem Rücken machten wir uns durch das Horconestal auf den 11 Km langen Weg zu dem „Confluentia“ Lager 3300m, wo wir unsere Zelte aufschlugen. Am kommenden Tag erfolgte die erste Akklimatisationstour zur imposanten Süd Wand des Aconcagua, die eine Senkrechte von 3000m aufweißt und mit Hängegletscher und gefrorenen Wasserfällen beeindruckte.

Ein Foto unter der Süd Wand an der „Plaza Francia“ war Pflicht, benannt nach den Erstbesteiger eine Frnzösische Bergsteigergruppe. Die nächste Etappe führte ins Basislager „Plaza de Mulas“ 4300m. Die 20 Km und die 1300 Hm haben wir gegen den Wind in 9 Stunden bewältigt und die ging uns schon mal in die Knochen. Das war einer der Tage wo ich mir Gedanken über das ausgewählte Hobby machte….

Hier stellten wir drei Zelte auf, davon eines für das Expeditionsmaterial und wärmten uns mit Tee, da es an zu schneien anfing. Plaza de Mulas ist wie ein kleines buntes Zeltdorf, wo viele kommerzielle Anbieter permanent ihre Zelte stehen haben. Zu unserer Ausrüstung gehörten unter anderem sechs Zelte, vier Gas und Benzinkocher, Sprechgeräte, GPS, Hochlageressen und eine umfangreiche Apotheke.

Krankheit in der Höhe

Zwei Tage vor Aufbruch zu der Expedition, gab mir ein Arbeitskollege einen Grippevirus mit auf den Weg, der mir fast drei Wochen die treue hielt. Nachdem er mit mir den Gipfel erreichte, verließ er mich. Schon bei der Ankunft in Santiago hatte ich leichtes Fieber, die Nase tropfte und ich kaufte mir alle möglich Tabletten unter anderem auch Antibiotika mit der Hoffnung das ich das Schwerste überstanden habe, bevor es richtig los geht. Doch das war dem nicht so, da es ja gegen die meisten Viren keine Tabletten gibt und weil ab 4000m keine Krankheit heilt, da der Körper zu sehr mit der Akklimatisation beschäftigt ist und somit keine Antikörper aufbauen kann. Nach den ersten 20 Kilometer bis ins Basislager, war ich mit den Kräften zum ersten Mal am Ende. Dieses Gefühl keinen weitern Schritt machen zu wollen, erreichte mich auch bei unserer Akklimatisationstour auf den Bonete Gipfel 5004 m. Der Gedanke „ den Aconcagua packst Du so nie“ kam auf. Ich teilte ihn telefonisch meiner Tochter mit die mich zu trösten versuchte. Letztendlich wollte ich die Mannschaft nicht behindern. Da ich durch die Nase nicht Atmen konnte, schlief ich mit geöffnetem Mund, der mir wegen der trockenen Höhenluft auch austrocknete und somit die ganze Nacht von einem ständigen Durstgefühl begleitet war. Dazu mussten Carmen und Puma mein Schnarchen dulden. So kam es, dass ich auch bei dem Aufbau des ersten Lagers nicht dabei war, sondern im Zelt „Krankgeschrieben“ den Tag verbrachte. Mal war mir heiß mal kalt und der Gedanke „nie wieder Expedition“ schwirrte in meinem Kopf. Dazu kam, dass ich große Probleme mit dem Essen bekam. Im Lager Berlin auf 6000m konnte ich keinen Tee riechen, keine Süßigkeiten sehn, geschweige den essen. Egin kochte mir eine Hochlagersuppe am Abend vor dem Aufstieg, mit der ich dann letztendlich den Gipfel bestiegen habe. Ohne die Hilfe meiner Mannschaftskameraden, die mir ab und zu sogar Gepäck abnahm, und ohne die gute konditionelle Vorbereitung, hätte ich diesen Gipfel nicht erreicht. Umso größer war dafür meine Freude den Gipfel doch bestiegen zu habe.

Aufbau der Lager

Karin, Egin, Carmen und Puma, brachten am nächsten Tag zwei Zelte, Kocher, Essen und Ausrüstung ins Lager eins, auf 5500m Adlernest genannt und stiegen wieder ab. Es folgte ein weiterer Ruhetag, der mir die Möglichkeit geben sollte mich von meiner Grippe zu erholen. Den Tag darauf stieg die gesamte Mannschaft zum Adlernest 5500m hoch und übernachteten dort in zwei Zelten. Egin hatte beim Aufstieg Schwierigkeiten und entschloss sich ca. 200 Höhenmeter vor dem Ziel sein Gepäck bei einem Felsen zurückzulassen um das Lager sicher zu erreichen. Wir setzten einen weitern Ruhetag ein und genossen die Sonnen auf und Untergänge auf 5300m. Egin beschäftigte sich mit dem Gedanken abzusteigen um sich noch besser zu erholen, den er aber nach einer guten verbrachten Nacht verworfen hatte. Puma und Carmen fühlten sich stark genug am nächsten Tag zum Lager zwei, Berlin genannt, aufzusteigen, um den Tag darauf den Gipfelgang anzutreten. Der Vorteil dieses Plans war, dass wir nur ein Zelt in Lager zwei aufbauen mussten, weil Karin, Egin und ich noch einen Nacht in Lager eins verbringen sollten. Wir begleiteten sie auf 6000m dem Ausgangspunkt zum Gipfel und stiegen wieder ab. Karin hatte hier ihr vorgegebenes Ziel 6000m erreicht und war damit glücklich. In diesem Lager steht eine Biwakhütte, die sechs Personen Schlafmöglichkeit bietet und von der Sektion Berlin errichtet wurde, die diesem Lager den Namen „Berlin“ gab.

Gipfelsturm

Der Wind riss die ganze Nacht an dem Hochlagerzelt in dem Carmen und Puma übernachteten. Um vier Uhr schmolzen sie Schnee um Tee zu kochen und begannen den Aufstieg um fünf Uhr. Doch die kälter der Nacht ca.-16° und der starke Wind stoppte Carmen bei 6300m. Bei dieser Windgeschwindichkeit, ca. 50 Stundenkilometer ist die gefühlte Temperatur –40°. Sie sagte danach: „ Der Aconcagua ist das großartigste, gewaltigste Naturphänomen gewesen, welches ich bisher sehen durfte. Gigantisch. Die Tour und die Tage am Berg habe ich persönlich sehr genossen. Die körperliche Anstrengung, die vielen zurückgelegten Höhenmeter, das Auf und Abbauen der Lager wurden durch das traumhafte Panorama, dem guten Wetter, den unbeschreiblichen wechselnden Kulissen egal ob Tages oder Nachtzeit und dem tiefblauen Himmel belohnt“.

Puma setzte seinen Weg fort, doch bei einer Querung „Gran Acarreo“ auf 6500Hm blies der Wind noch stärker, mit ca. 80 Km/Stunde. Puma entschied sich hier abzubrechen und äußert sich wie folgt danach: „Dass mir persönlich wegen des Höhensturms 460 Höhenmeter gefehlt haben ärgert mich natürlich, aber ich betrachte es auch als eine Motivation für eine zukünftige Besteigung, die ich wahrscheinlich 2006/07 zum Aconcagua organisieren werde, auf einer neuen , erst 1997 erschlossenen Route. Es freut mich das ich für jeden aus unserer Gruppe da sein konnte, wie auch sie für mich da waren“.

Am Tag darauf stiegen Egin und ich zum Lager Berlin hoch. Am späten Nachmittag stiegen wir ca. 300 Höhenmeter in Richtung Gipfel. Ich erlebte den Sonnenuntergang und fühlte mich so gut wie nie zuvor an diesem Berg. Vor Freuden begann ich zu Weinen und meine innere Stimme sagte mir: „Morgen besteigst du den Gipfel des Aconcagua“. Nach einer Nacht in der wir nicht besonders gut schliefen, starten wir um ca. 4 Uhr in der Früh. Es war bitter kalt. Auch wir blieben von dem Wind nicht verschont, insbesondere vor dem Aufstieg in die „Canelata“, die bei 6500m beginnt und mit einer Neigung von 35% zum Gipfel führt. In diesem Abschnitt gingen wir mit Steigeisen auf dem gefrorenen Schneeresten und Geröll. Hier mussten wir öfters Pausen machen um die Lungen mit genügend Sauerstoff zu versorgen und den Gedanken nicht weiterzugehen, der durch die große Anstrengung aufkommt, zu verdrängen. Bei den letzten Höhenmeter folgte nach jedem zehnten Schritt eine Verschnaufpause, da der Luftdruck bei fast 7000m weniger als die Hälfte des Meeresniveaus beträgt. Der Gipfel war in Sichtweite als mich Egin noch einmal nach meine Befinden fragte. Alles o.k. sagte ich ihm, und dachte mir, wenn es sein muss steige ich auf allen vieren hoch. Viel zu sehr habe ich mir diesen Gipfel gewünscht und mich gründlich dafür vorbereitet. Nach 9 Stunden standen wir auf dem Gipfel des Aconcagua 6962m, ein Moment der eine Freudenexplosion (Befreiungsschrei das, das Kreuz zitterte) und ein Dankbarkeitsgefühl auslöste. Dankbar, weil ich es trotz meiner Krankheit schaffte, dankbar das die Wetterlage es erlaubte, dankbar für alle guten Wünsche die mir Freunde auf den Weg gaben. Betrachtet man das Egin´s Alter von 65 Jahren, dann gebührt ihm ein besonderer Glückwunsch. Mit der Adonisfahne, die auch die siebenbürgisch-sächsischen Farben blau und rot enthält und mit dem Wimpel der Sektion Karpaten ließen wir uns fotografieren. Wir sind stolz dieser Gruppe anzugehören, die in Gedanken bei uns waren und auch ein Grund ist, warum man sich diesen schweren Umständen aussetzt. Somit war nun die erste rein Siebenbürgische Bergsteigermannschaft auf dem höchsten Punkt Süd Amerikas! Je schwerer ein Gipfel zu erreichen ist, desto größer die Freunde, weil man sich erneut bestätigt fühlt körperlich und seelisch Großes geleistet zu haben. Dass es nur ein Gipfel ist, spielt dabei keine Rolle. Beide waren wir zum ersten Mal auf so einer großen Höhe und haben unsern Maßstab in vielen Bereichen höher gelegt. Weitere 8 Bergsteiger standen mit uns auf dem Gipfel bei freier Sicht, Ertragbahren Temperaturen –14° und gemäßigtem Wind. Dieser Gipfelsieg war nur möglich, weil das ganze Team sich bedingungslos einsetzte, sich gegenseitig geholfen hat, wenn es dem einen oder andern nicht gut ging, um unser Ziel zu erreichen. Insgesamt bewältigten wir 8000 Hm, manchmal mit erheblicher Anstrengung

Beim Abstieg übernachteten wir auf Berlin, 6000m stiegen am nächsten Tag zum Adlernest, wo uns eine Überraschung erwartete: Käse mit Brot und Zuspeise, wie von Zauberhand hingelegt. Nach tagelanger Ernährung mit Hochlagernahrung( Tütenessen) hat der Käse wie Kaviar geschmeckt. Die Zauberin war Karin, die extra um uns diese Freude zu bereiten von 4300m auf 5300 aufgestiegen ist. Es war übrigens ihr dritter Aufstieg zum Adlernest. Karin hat auch meistens all die Tage für uns gekocht. Für al diesen Einsatz und der netten Gäste ein großes Dankeschön.

Fazit

Nicht der Gipfel alleine macht den Reiz dieser Reise aus, sondern die Begegnungen mit den Menschen, das kennen lernen ihrer Lebensgewohnheiten und Geschichte, ihrer Städte und Dörfer, die Landschaftsbilder der Anden, die Sonnen auf und Untergänge. Wir schlossen Freundschaft mit den Ärzten und der Bergwacht im Basislager „Plaza de Mulas“, mit Hotelbediensteten u.v.m. Obwohl die Anden hier keine Wälder haben faszinieren sie durch ihr farbiges Gestein das die Mineralien ihnen verleihen, durch ihre Ausdehnung und durch angenehme Temperaturen trotz der großen Höhe. Auf der Heimfahrt besuchten wir Atlanta, wo wir das Coca Cola Museum besichtigten, das hier in einer Apotheke zum ersten Mal hergestellt wurde.